#WB Weinfachhandelstag 2014

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„Großes Lob. Eine super Veranstaltung. Wir werden beim nächsten Mal sicher wieder dabei sein.“

Dieses Fazit zogen die meisten Teilnehmer am Ende des Weinfachhandelstags 2014, der am 8. September an der Hochschule Heilbronn über die Bühne ging.

Bei dem Branchentreff, der gemeinsam von der studentischen Lehrfirma Perspektive Wein des Studienganges Weinbetriebswirtschaft, der Fachzeitschrift WEIN+MARKT und der Weinakademie Berlin organisiert wurde, nutzten insgesamt 180 Teilnehmer die Chance, sich einen Tag lang mit Kollegen auszutauschen, über branchenrelevante Themen zu diskutieren, Anregungen für ihr Geschäft zu sammeln und Networking zu betreiben. Dazu plauderten namhafte Referenten aus dem Nähkästchen, schilderten ihre authentischen Erfahrungen aus der Praxis und lieferten jede Menge Denkanstöße.

Gerade der Themenmix, die Qualität der Referenten sowie der Praxisbezug der Vorträge sorgte bei den Teilnehmern für Begeisterung. Aber auch die professionelle Infrastruktur, die reibungslose Organisation sowie die lockere Stimmung wurden gelobt. Viele Fachhändler waren der Meinung, dass der aus einem Workshop entwickelte Weinfachhandelstag schon bei seiner 2. Auflage den Durchbruch geschafft hat – und wünschten sich, dass er zur festen Institution wird.

Gegenüber der Premiere im vergangenen Jahr gab es diesmal einige konzeptionelle Veränderungen, die auf fruchtbaren Boden fielen. Neu war zum Beispiel, dass die Initiatoren am Vorabend ein „Get together“ organisiert hatten. Fachhändler und Referenten, die bereits am Sonntag angereist waren, konnten sich dabei schon mal zusammen mit den Sponsoren des Weinfachhandelstags auf die tags drauf stattfindende Fachveranstaltung einstimmen. Unterstützt wurde das Get together von der Württembergischen Weinwerbezentrale sowie der Genossenschaftskellerei Heilbronn-Erlenbach-Weinsberg, deren Geschäftsführer Karl Seiter einige Weine aus der aktuellen Kollektion des Hauses präsentierte.

 



v. l. n. r. Michael Pleitgen, Berliner Weinakademie; Werner Engelhard, Wein + Markt; Ruth Fleuchaus, Studiengang Weinbetriebswirtschaft

Die eigentliche Fachtagung am Montag – die von Weinkontor Freund (Borgholzhausen), Pellegrini (Landau/Pfalz), Schlumberger (Meckenheim), GES Sorrentino (Delmenhorst), Weinwelt (Owen) und Wein Wolf (Bonn) gesponsert wurde – bot gegenüber der Premiere noch weitere Best-Practice-Beispiele und konkrete Anregungen aus der Praxis, wobei die einzelnen Themen zu Blocks zusammengefasst waren. Den Auftakt machte Nikolas von Haugwitz, Geschäftsführer des Hanseatischen Wein & Sekt Kontors. Er beleuchtete das Geschäftsmodell sowie die Multi-Channel-Strategie des Unternehmens. Darüber hinaus erläuterte er unter dem Motto „Ran an den Speck“, wie man in einem gesättigten Markt wie dem deutschen an neue Kunden(kreise) rankommt, wie Adressgewinnung funktioniert, wie Adressen sinnvoll genutzt werden und unter welchen Bedingungen es sich lohnt, zeitlich befristete Pop-Up-Stores zu eröffnen.

Wie Weinfachhändler von der Zusammenarbeit mit Kollegen und Einzelhändlern aus anderen Branchen profitieren können, zeigten die Redner beim Themenblock „gemeinsam statt einsam“.

Jan Stork (Wein Stork, Lüdinghausen) schilderte dabei anhand der Einzelhandelsinitiative „Echt Lüdinghausen“, welche Synergien solche Kooperationen schaffen, wie es gemeinsam gelingt, die Attraktivität des stationären Einzelhandels in der Stadt zu erhöhen, und wie eine gemeinsame  Kundenkarte als Kundenbindungsinstrument genutzt werden kann.

Nicola Neumann erklärte das Konzept der „Weininseln“, das sie zuerst in München umsetzte, für das sie aber auch Potenzial in anderen Städten sieht. Nürnberg hat bereits nachgezogen. Kernidee des Konzepts ist, dass Weinfachhändler aus einer Stadt an einem bestimmten Tag genussorientierte Veranstaltungen für weinaffines Publikum anbieten, wobei die Kunden quasi „Insel-Hopping“ (von einem Fachhändler zum nächsten) betreiben können. Die beteiligten Fachhändler machen dabei also gemeinsame Sache, ohne ihre Individualität aufzugeben.

Über die Vor- und Nachteile einer Ladengemeinschaft mit Einzelhändlern aus anderen Branchen berichtete Dirk Ueberbach vom Weinfachgeschäft Genussfaktor, das in Meerbusch mit einer Teehandlung und einem Laden für Accessoires unter ein Dach geschlüpft ist. Die Symbiose hilft u. a. Mietkosten zu sparen. Und im Idealfall werden die Tee- und Accessoires-Kunden auch für Wein sensibilisiert, was der Kundengewinnung dient. Allerdings gibt es auch Knackpunkte wie unterschiedliche Öffnungszeiten der einzelnen Geschäfte.

Beim Themenblock „Wein und Gastronomie“ drehte sich alles um die Fragestellung, was das Andocken eines Bistros bzw. einer Weinbar bringt – mehr Profit oder nur mehr Arbeit? Bei Vineyard Weinhandel in Hamburg-Eimsbüttel gehört der gastronomische Part einfach zum Gesamtkonzept. Die Verknüpfung von stationärem Weinhandel mit Weinbar und Veranstaltungsbereich hat sich nach Geschäftsführerin Elke Berner auch wirtschaftlich bezahlt gemacht. Wie das Konzept genau funktioniert, ist in WEIN+MARKT 5/2014 (S. 44) nachzulesen.

Eine regelrechte Achterbahnfahrt hat der Garibaldi-Gründer Eberhard Spangenberg in den vergangenen Jahren mit seinen Weinbar-Projekten in München erlebt. Der italophile Weinhändler zählt hierzulande zweifellos zu den Pionieren auf dem Weinbar-Sektor. Zu Beginn sei das Geschäft toll gelaufen, dann sei das Publikumsinteresse aus verschiedenen Gründen abgeebbt. Spangenberg ließ sich aber nicht entmutigen und nahm mit konzeptionellen Modifizierungen immer wieder neue Anläufe. Er hat die Erfahrung gemacht, „dass alles seine Zeit hat und sich manches mit der Zeit überlebt“ – und dass es schwierig ist, mit einer Weinbar auf Dauer profitabel zu arbeiten.

Lehrgeld musste nach eigenem Bekunden auch Dieter Pieroth zahlen. Das ehemalige Vorstandsmitglied der WIV Wein International AG hatte vor einigen Jahren die Idee, in seine Villa-Vinum-Läden eine „Kostbar“ mit gastronomischem Angebot zu integrieren. An einzelnen Standorten habe das Konzept sehr gut funktioniert, an anderen sei aber nur Geld verbrannt worden, räumte er offenherzig ein. Unterm Strich zogen Pieroth, Spangenberg und Berner das Resümee: Wenn schon, dann richtig. Es bringe nichts, das Thema Gastronomie halbherzig anzupacken. Wenn, dann müsse man es mit vollem Elan und vor allem mit motiviertem, gut ausgebildeten Fachpersonal angehen.

Einig waren sich alle Teilnehmer, dass das Online-Geschäft mit Wein (ausgehend von einer immer noch recht bescheidenen Basis)  boomt. Aber wie können stationäre Fachhändler von einem Online-Shop profitieren? Und wie lässt sich ein Online-Shop kreativ, aber trotzdem kostengünstig umsetzen? Wolfgang Feierfeil, Geschäftsführer bei Frankfurt / Wein in Frankfurt/Main, hat dazu eine gespaltene Meinung. Er findet, dass heutzutage jeder Fachhändler einen Online-Auftritt als Visitenkarte haben sollte, um (potenzielle) Kunden für sich und sein Angebot zu sensibilisieren – allerdings nicht unbedingt auch einen Online-Shop. Denn ein solcher Online-Shop müsse permanent gepflegt werden (inkl. Suchmaschinenoptimierungen), womit bei den großen Online-Spezialisten mehrere Mitarbeiter beschäftigt seien. Das professionelle Betreiben eines Online-Shops sei zeit-, arbeits- und kostenintensiv. Der kleine Fachhändler könne mit den Big Players aus diesem Bereich nicht mithalten, dämpfte Feierfeil allzu hoch geschraubte Erwartungen.

Wie sich auch mit wenig Startkapital eine Online-Plattform realisieren lässt, verriet Sedat Aktas, Geschäftsführer des Mainzer Startups geileweine.de. Keimzelle des Projekts war das Mainzer Fachgeschäft Weinraumwohnung von Michael Reinfrank. Zusammen mit Sedat Aktas überlegte er sich, wie man Wein auf unkonventionelle Art online vermarkten kann. Den Aufbau der Plattform finanzierten die beiden über Crowdfunding – also über ein Finanzierungsmodell, bei der (viele) Geldgeber auch kleinere Summen in ein Unternehmen investieren können.

Oliver Koenig, der bei der Firma Xanthurus fürs Business Development zuständig ist, präsentierte das Konzept des Xanthurus-Ablegers Vindega, der im Oktober in Düsseldorf an den Start und wenn alles nach Plan  läuft, danach in Serie gehen soll. Die Macher kündigen dabei eine innovative Kombination aus stationärem Einzelhandel, Gastronomie und Online-Shop an, mit der sie auch neue Zielgruppen ansprechen möchten. Ein Baustein ist, dass die Kunden über Laptops bzw. Tablets im Laden ihre Bestellung direkt online aufgeben können, was u. a. den Vorteil hat, dass automatisch wichtige Kundendaten verfügbar sind.

Für das „I-Tüpfelchen“ sorgte schließlich Ralph Goldschmidt. Der „Redner aus Leidenschaft“ erklärte den Teilnehmern zum Abschluss des Tages in humorvoll-mitreißender Manier, wie sie kraftvoll durch bewegte Zeiten kommen und ihre Effektivität nachhaltig steigern können – ein inspirierender Abschluss eines rundum gelungenen Tages. „So langsam wird es wichtig, dass man in Heilbronn präsent ist“, war zum Abschied des Öfteren zu hören.

Save the date!

Der 3. Weinfachhandelstag findet am Montag, den 7. September 2015 statt.  

Weitere Informationen: Prof. Dr. Ruth Fleuchaus, Studiengang Weinbetriebswirtschaft

Bild: Holger Wirth


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