#IB Buchempfehlung Rogue Trader

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Rogue Trader von Nick Leeson*

Eine Freude für Finance-Studierende

von Carolin Schmidt

 Rogue Trader

Von Derivaten haben wahrscheinlich die meisten schon mal gehört – spätestens seit der Finanzkrise. Denn diese Instrumente können erheblichen Schaden anrichten und sind laut Kritikern zum Teil am Ausbruch der Krise schuld.  Bei Derivaten handelt es sich um Finanzinstrumente, die im Unternehmen dazu benutzt werden können, Marktpreisrisiken (wie z. B. schwankende Wechselkurse oder Ölpreise)  zu reduzieren. Oftmals werden sogenannte Futures dazu eingesetzt. Zum Beispiel können Rohstofffutures helfen, schwankende Rohstoffpreise zu umgehen, da das Unternehmen zum Zeitpunkt des Derivatekaufs (heute) einen Preis festlegen kann, zu dem der benötigte Rohstoff in der Zukunft, also vielleicht in 3, 4, 5 oder sogar 12 Monaten gekauft werden kann. Wie viel der Rohstoff nach dieser Laufzeit am Markt tatsächlich kostet, ist dabei unerheblich – das Unternehmen darf zu dem Preis kaufen, den es vor 3, 4, 5 oder 12 Monaten festgelegt hat. Das Risiko, dass der Rohstoff in der Zwischenzeit teurer wird, wurde also komplett aus der Welt geschafft.

Viele Industrien sind erheblich auf Derivate angewiesen, so z. B. die Automobilindustrie auf Rohstoff- oder Banken und internationale Unternehmen auf Währungsderivate. Ja, sogar Wetterderivate gibt es (nützlich für Unternehmen, bei denen die Temperatur eine große Rolle spielt, z. B. Heizungsunternehmen, Hersteller von Klimaanlagen, etc.). Wenn man Derivate zu solchen Zwecken des Risikomanagements einsetzt, sind sie also eigentlich gar nicht so böse, wie sie seit der Finanzkrise beschrieben werden. Setzt man sie aber zu Spekulationszwecken ein, kann so einiges schief gehen.

In „Introduction to International Finance“ haben wir kürzlich auch über Derivate gesprochen. Seit den 1990ern wird vermutlich in jeder (International-)Finance-Vorlesung dieser Welt über diesen einen Fall gesprochen, der im Jahr 1995 die Finanzwelt erschüttert und Geschichte geschrieben hat. Denn in dieser Geschichte geht es um Derivate und darum, wie ein einziger Mann für den Untergang einer 230 Jahre alten Bank verantwortlich wurde.

In seinem Buch „Rogue Trader“ erzählt der ehemalige Bankangestellte Nick Leeson, wie er die Barings Bank – übrigens die älteste britische Investmentbank, bei der selbst die Queen ihre Konten hatte – innerhalb kürzester Zeit zugrunde gerichtet hat. Möglich war das nur mithilfe von Derivaten, die er gegen Anweisung der Bank zu Spekulationszwecken benutzt hat: Er kaufte Futures auf den japanischen Aktienindex Nikkei in der Hoffnung, dass dieser an Wert zulegen würde. Der Preis für den Index wird bei Vertragsabschluss festgelegt. Steigt der tatsächliche Indexpreis dann an, macht man ein gutes Geschäft: Man kann etwas zu einem niedrigen Preis kaufen, obwohl das Produkt viel mehr wert ist. Naja, blöderweise kam dann ein Erdbeben in Japan dazwischen und der Index stürzte aufgrund der Katastrophe drastisch ab. Die Verluste aus diesen durch das Bankmanagement untersagten Geschäften beliefen sich am Ende auf satte 825 (!) Millionen (!) Pfund (!) und die Bank wurde im Anschluss für ein symbolisches Britisches Pfund verkauft. Autsch!

Nick Leeson schreibt das Buch sehr einfach, aber ein Grundwissen übers Börsengeschehen sollte vorhanden sein. Im The-Wolf-of-Wall-Street-Stil erzählt er von seiner Ehe, und davon, wie er eine Nacht im Gefängnis in Singapur zubringen musste, weil er in einer Bar „blank gezogen“ hatte. Finance-Studierende werden sicherlich ihre helle Freude daran haben!

Dieser Fall ist seither das Beispiel schlechthin dafür, wie Risikomanagement schiefgehen kann.

(Nick Leeson, der ehemalige Unterschichtenjunge, verdient heute übrigens ein Vermögen mit Vorträgen und Büchern über seine Geschichte.)

 

* Das Buch ist auch auf Deutsch erhältlich unter dem Titel „Das Milliardenspiel. Wie ich die Barings-Bank ruinierte“. Für Lesemuffel gibt es auch eine Verfilmung: Das schnelle Geld – Die Nick-Leeson-Story.


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