#WB Wie geht Forschung und was macht eigentlich ein Prof im Forschungssemester?

Fakultät International Business – Alles für Ihren Erfolg


Über die Suche und das Finden des passenden Forschungsthemas

Ein Bericht von Prof. Dr. Bettina Merlin, die sich zzt. in einem Forschungssemester befindet.


Der Wunsch nach neuen Erkenntnissen

Also am Anfang stand der Wunsch mal wieder was Neues zu machen. Sich in die Welt der Paper, Journals und Studien zu stürzen. Aber welche Forschung macht denn Sinn? Was will ich denn erreichen? Und was ist neben dem Lehrbetrieb her zu schaffen? All diese Fragen geisterten mir im Kopf herum, als ich mich in die Forschung stürzen wollte.

Über all diese Fragen habe ich eine Weile gegrübelt, Ideen gehabt, sie wieder verworfen. Aber dann wurde ich fündig. In der Weinbranche läuft seit vielen Jahren ein Konsolidierungsprozess, d. h. immer mehr Unternehmen schließen sich zusammen bzw. werden aufgekauft und übernommen. Das ist für mich als „gelernte“ Volkswirtin natürlich ein sehr interessanter Prozess. Aber eine volkswirtschaftliche Betrachtung wollte ich nicht machen. Schließlich soll aus der Forschung ja auch Interessantes für die Lehre und für die tägliche Praxis (und für die Werbung für den Studiengang) herauskommen. Also ab auf die BWL-Ebene und da ist natürlich die Frage spannend, ob diese ganzen Fusionen überhaupt etwas bringen, also erfolgreich sind. Aber welche Fusionen will ich eigentlich untersuchen? Da in Württemberg und Baden, unseren beiden Haupteinzugsgebieten, Genossenschaften eine große Bedeutung haben, ist es natürlich sehr interessant zu sehen, ob gerade Genossenschaftsfusionen erfolgreich sind. Et voilà, eine Forschungsidee war geboren:

Sind Fusionen zwischen Winzergenossenschaften überhaupt erfolgreich?

Aber eine Frage blieb immer noch: Schaffe ich es, zusätzlich zu den Vorlesungen und einigen kleineren, 4, 8 und 10 Jahre alten, privaten Verpflichtungen, ein ganzes Forschungsprojekt zu stemmen? Da kam mir zugute, dass sich auch Michael Minnici, unser Assistent am Studiengang, für dieses Thema interessierte und seine Doktorarbeit in diesem Bereich schreiben will.

Von Forschungsprojekt spreche ich, weil wir ja nicht nur die Frage nach dem Erfolg beantworten wollen. Sondern interessant ist natürlich auch, warum die Fusionen überhaupt gemacht werden, welche Ziele damit verfolgt werden und was solche Fusionen erfolgreich macht. Vor allem an letzterem dürfte die Öffentlichkeit Interesse haben. (Ein Ziel ist ja schließlich auch, den Studiengang noch weiter bekannt zu machen.)

So weit, so gut, aber eine Frage blieb immer noch offen: Ist denn das überhaupt ein neues Forschungsgebiet? Oder haben sich hier schon andere Forscher ausgetobt und es ist alles bereits bekannt? In der Weinbranche kann man sich da relativ sicher fühlen, da leider nicht viel darüber geforscht wird. Und siehe da, der Blick in die Literatur zeigt schnell, dass bisher kaum zu Fusionen in der Weinindustrie geforscht wurde, ganz zu schweigen von Genossenschaftsfusionen. Na, denn mal los.

Und was steht am Anfang eines Forschungsprojektes?

Natürlich eine ausführliche Literaturdurchsicht. Was uns natürlich bei der Frage nach dem Forschungsthema gefreut hat (es gibt nichts zu dem Thema), wird jetzt zur Bürde. Es gibt im deutschsprachigen Bereich nur wenig Literatur zu Fusionen von Genossenschaften und dort v. a. im Bankenbereich, die sich ja schon sehr von Winzergenossenschaften unterscheiden. Na ja, dann müssen wir eben im weiteren Umfeld suchen. Und da werden wir natürlich fündig. Es gibt massenhaft Literatur zu Mergers& Acquisitions. Aus allen Blickwinkeln. Und auch zu Genossenschaften allgemein und zu Agrargenossenschaften. Jetzt heißt es lesen, lesen, lesen (zusätzlich zu den vielen studentischen Ausarbeitungen im Laufe eines Semesters).

Außerdem nimmt sich eine mutige Studentin in ihrer Bachelor-Thesis des Themas an (ja, es gibt interessante Bachelor-Themen bei mir!). Dieser Überblick zu den Fusionen bei Winzergenossenschaften fließt mit dem bereits angelesenen Wissen in einen Konferenzbeitrag ein, den ich auf der internationalen Konferenz in Geisenheim im Mai vorgestellt habe. Darin beschäftige ich mich mit einem Ansatz, wie man denn korrekterweise den Erfolg von solchen Fusionen messen kann.

Um einen tieferen Einblick in die Motive der Fusionen und die Erfolgsfaktoren speziell bei Winzergenossenschaften zu erhalten, machen wir erste Interviews. Im Sommersemester 2014 haben Michael Minnici und ich insgesamt sechs Interviews mit Genossenschaften der Region und dem Genossenschaftsverband in Karlsruhe geführt. In diesen offenen Interviews haben wir viel über die Funktionsweise von Winzergenossenschaften und deren rechtlichen Rahmen, die Vorgehensweise bei Fusionen, deren Motive, die Schwierigkeiten und Erfolgsfaktoren gelernt. Jedes Interview dauerte zwischen 1-2 Stunden, es kam also sehr viel Material zusammen (ja, manchmal länger als geplant, weshalb ich dann auch mal zu meiner geliebten Veranstaltung REWE in der Weinwirtschaft zu spät kam. Sorry nochmal!). Zum Glück hatten wir tatkräftige Unterstützung bei der Transkription dieser ausführlichen Interviews.

Zeit und Ziele

Tja, und was kam dann? Dann kam das fabulöse Forschungssemester, in dem ich jetzt noch stecke. Und damit kam Zeit, Zeit und nochmal Zeit (wie großartig), sich wirklich der Forschung zu widmen. Und damit die Zeit nicht ziellos vergeudet wird, steckt sich der gewissenhafte Prof natürlich Ziele (wer das predigt (vorliest), sollte das ja selbst auch tun, oder? Viele Grüße an meine Studierenden des Strategischen Managements).

Und meine Ziele sind:

  1. Den Artikel aus Geisenheim überarbeiten und bei einem Journal einreichen.
  2. Einen Artikel auf Basis der Interviews schreiben und veröffentlichen.
  3. Mich in die quantitativen Forschungsmethoden einarbeiten.

Wie es mir mit der vielen Zeit und den selbst gesetzten Zielen so ergeht, lesen Sie in einer Fortsetzung. Jetzt muss ich erst einmal wieder forschen.

Viele Grüße

Bettina Merlin


Lesen Sie hier weiter

#WB Wissenschaftliche Veröffentlichung

#WB Wie eine Exkursion ins Ausland organisiert wird – Teil 1

Zum Studiengang Weinbetriebswirtschaft

 

 



12 Antworten zu “#WB Wie geht Forschung und was macht eigentlich ein Prof im Forschungssemester?”

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  8. […] Literatur bisher noch nicht beantwortet wurden (mehr dazu gibt es in einem sehr guten Artikel von Prof. Bettina Merlin). Zum Beispiel ist im Bereich Finance noch immer nicht geklärt, warum riskante Aktienrenditen so […]

  9. Carolin Schmidt sagt:

    Super Artikel! Den könnte man eigentlich genau dem Leitfaden für wissenschaftliches Arbeiten anhängen 🙂

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