#IB Publish or perish?

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Ein Arm für eine Publikation?

Carolin Schmidt überlegt, auf welches Körperteil sie verzichten würde.

Dass in der Wissenschaft ein enormer Publikationsdruck herrscht, ist allgemein bekannt. Eine Publikation in einem der heiß begehrten A-, B- oder notfalls auch C-Journals bringt dem Verfasser Ruhm und Ehre ein. Die Karrieren unzähliger Wissenschaftler dieser Welt hängen davon ab, wie viel und vor allem wie gut publiziert wurde.

Aber warum?

Sogenannte peer-reviewed journals sind hochrangige Fachzeitschriften für wissenschaftliche Publikationen. Und davon gibt es so einige – die Journal-Datenbank SCImago führt eine Liste mit derzeit rund 30.000 anerkannten Journals aller Disziplinen. Es kursieren aber auch viele mehr oder weniger anerkannte Rankings, die die Journals nach ihrer Qualität ordnen (meist in den Kategorien A, B, C und so weiter). In der deutschsprachigen Wirtschaftswissenschaft wird ein solches Ranking zum Beispiel vom Verband der Hochschullehrer für Betriebswirtschaft e. V. (VHB) veröffentlicht. Es gibt auch Teilrankings für einzelne Fachbereiche innerhalb einer Disziplin, so z. B. Finanzwirtschaft – dort rangiert schon seit ewigen Zeiten das Journal of Finance auf Platz 1. So manch einer würde einen ganzen Finger oder gleich einen ganzen Arm dafür geben, um in einem solchen Journal publizieren zu können (Ich! Naja, vielleicht doch nur eine Fingerkuppe).

Wie funktioniert das?

Wissenschaftler, also Professoren, Doktoranden, Mitarbeiter von Forschungseinrichtungen wie dem ZEW, ifo oder der Max-Planck-Gesellschaft überlegen sich Fragestellungen, die in der Literatur bisher noch nicht beantwortet wurden (mehr dazu gibt es in einem sehr guten Artikel von Prof. Bettina Merlin). Zum Beispiel ist im Bereich Finance noch immer nicht geklärt, warum riskante Aktienrenditen so viel höher sind als Renditen aus sicheren Staatsanleihen („Equity premium puzzle“). Ihre Vorgehensweise zur Beantwortung der Frage, die eigentliche Studie, Ergebnisse und so weiter schreiben die Forscher dann in einem Paper zusammen und reichen es bei einem Journal ein. Je besser das Journal gerankt ist, desto verlockender ist es, das Manuskript dort einzureichen.

Was geht in einem solchen Moment eigentlich im Kopf eines Forschers vor?

Ungefähr das: Ist der Text gut genug für ein A-Journal? Lohnt sich der Stress (und die damit oft verbundene Einreichungsgebühr, die locker mal ein paar Hundert Dollar betragen kann)? Vielleicht sollte ich es doch lieber bei einem B-Journal versuchen… Das erspart mir eine Menge Frust und Geld. Allerdings, ein A-Journal… Das wäre schon toll! Wie viel wäre ich eigentlich bereit dafür zu geben, dass mein Artikel in so einem Journal veröffentlicht wird? Ich versuche mein Glück mal bei einem A-Journal.

Doch was passiert dann? Damit Journals qualitativ hochwertig bleiben, muss jemand darüber entscheiden, ob der eingereichte Artikel gut genug ist und abgedruckt werden kann oder nicht. Und hier kommen die sogenannten peers (Wissenschaftler desselben Fachgebiets) ins Spiel. Denn diese reviewen das eingereichte Manuskript und entscheiden so zwar nicht über Leben und Tod (obwohl es sich für die Autoren ganz sicher so anfühlt), aber immerhin über Annahme oder Ablehnung.

Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Artikel zur Publikation in einem guten Journal angenommen wird, liegt irgendwo zwischen 2 und 30%. Je besser das Journal, desto schwieriger wird es natürlich. Doch die Mühe lohnt sich, und wenn man es mal geschafft hat, gibt es Grund zum Feiern. So manch einer hat aufgrund seiner oder ihrer herausragenden Forschungsleistung schon einen Ruf an eine der Top-Unis dieser Welt bekommen. Und seien wir doch mal ehrlich: Wer möchte nicht seinen Namen in einem Journal sehen, in dem auch schon mal ein Nobelpreisträger veröffentlicht hat?

Aber was hat das alles mit abgehackten Armen zu tun?

Eine eher unkonventionelle Frage beschäftigte drei Forscher* aus den Niederlanden: Wie viele Körperteile wäre  ein Wissenschaftler bereit, für eine Publikation in einem A-Journal der VWL zu opfern?

Was? Körperteile opfern? Genau! Sie sehen, der Publikationsdruck ist wirklich hoch. Denn Publikationen zeigen, dass eine Person sich in ihrem Fachbereich auskennt und dass andere Personen (die peers) das auch so sehen. Das Ergebnis der Studie ist, dass eine Publikation in der American Economic Review den befragten Wissenschaftlern im Schnitt mehr als ein halber Daumen wert wäre. Die spinnen doch, die Forscher.

Auf diesen Artikel aufmerksam gemacht hat mich übrigens mein Doktorvater Prof. Dr, Ted Azarmi während unserer wöchentlichen research hour (wir schreiben gerade einen Journalartikel … hust …).

Also, was darf es sein: Ein Arm? Oder doch gleich ein ganzes Bein?

 

* Attema, Arthur E., Brouwer, Werner und van Exel, Job (2012): Your Right Arm for a Publication in AER? 


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