#IBIS Interkulturelle Studien hautnah

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Wie Kulturtypologien die Medien formen

Von Larissa Schulz, IBIS-Studentin

Als leidenschaftliche Vielfliegerin hat mich der Absturz der Germanwings Maschine über den französischen Alpen persönlich sehr getroffen, da ich noch einen Tag zuvor in einem Flugzeug saß. Die Pressemeldungen über das Unglück nahmen rasant zu. Bei der Online-Suche nach zeitnahen Meldungen habe ich mich in jener Woche anfangs “nur“ mit Artikeln der deutschen Presse befasst. Eines Abends jedoch, als die gemütliche Abendunterhaltung mit meiner spanischen Mitbewohnerin den Kurs auf die aktuellen Geschehnisse nahm, bemerkte ich, dass ihre Informationen auf Basis der spanischen Medien überwiegend die Dramatik der Tatsache sowie das Mitgefühl der Menschen und den Angehörigen thematisierten. Ich dachte an meine Vorlesung „Introduction to International Management“ aus dem 4. Semester zurück, in welcher mir das Lewis’ Model über die Charaktereigenschaften der unterschiedlichen Kulturtypologien vorgestellt wurde, und stellte fest, dass das Verhalten meiner Mitbewohnerin sowie ihre Medienerkenntnisse “typisch spanisch” waren.

In den nächsten Tagen war es mein Ziel, die lokale Presse aus Deutschland, Spanien und England in der jeweiligen Sprache zu lesen, zu vergleichen und die Medienaussagen zu evaluieren.

Typisch britisch

Die britischen Pressemeldungen, z.B. Artikel des The Guardian, berichten sehr sachlich und objektiv über den Flugzeugabsturz und die darin genannten Informationen stützen sich auf die französischen Staatsmeldungen des Präsidenten François Hollande. Man fragt auch, ob und wie viele Briten in der Maschine während des Flugs nach Düsseldorf an Bord gewesen sind und wie sich das ganze Unglück ereignet hat.

Typisch spanisch

Vergleicht man die britischen Meldungen mit den spanischen, wird deutlich, dass die Medien in Spanien von Emotionen wie Empörung und Mitgefühl geprägt sind. Dies lässt sich sehr gut an Worten wie tragedia (dt.: Tragödie) und masacre (dt.: Massaker) sowie den Fragen „Quién atiende a los familiares de las víctimas?“ (dt.: Wer kümmert sich um die Familienangehörigen der Opfer?) und „Qué asistencía reciben los familiares?“ (dt.: Welche Hilfeleistung erhalten die Familienangehörigen der Opfer?) erkennen.

Typisch deutsch

Auch in den deutschen Medien beschäftigt man sich mit der Frage, was mit den Angehörigen passiert. So wird schon wenige Stunden nach dem Unglück bekannt, dass am Düsseldorfer Flughafen Seelsorger vor Ort sind und sich um die Familienangehörigen kümmern. Viel wichtiger jedoch scheint es zu sein, den Unfallhergang nachzuzeichnen, die möglichen Unfallursachen zu ergründen und Passagiere zu identifizieren. Die deutsche Presse umkreist eine einheitliche Frage: Wer ist für dieses Unglück verantwortlich? Die Fluggesellschaft, der Pilot, die Wetterbedingungen, … Man kann also feststellen, dass die Schuldfrage zum Mittelpunkt der Medien wird – fern von Betroffenheit und Mitgefühl für die Angehörigen. Dazu lässt sich als  gutes Beispiel der folgende Artikel lesen: http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2015-04/flugzeugabsturz-katastrophe-recht (geöffnet am 12.04.2015).

Diversität der Kulturen

Bei der Verfolgung der Medien innerhalb der letzten Wochen war ich nicht nur stolz, mein Erlerntes der damaligen Management-Vorlesung reflektieren zu können, viel mehr war ich von meiner Erkenntnis über die unterschiedlichen Kulturtypologien überrascht. Ist es denn nicht erstaunlich, dass es, geografisch gesehen, innerhalb Westeuropas eine solch große Diversität von Kulturen mit unterschiedlichen Denkweisen, Einstellungen und Verhalten gibt? Und ist es nicht so einfach als IB-Student – Fremdsprachenprofi und Kulturexperte zugleich – diese Unterschiede zu erforschen und von ihren Ergebnissen zu profitieren? Denn schließlich habe ich nach diesen Recherchen das erste Mal das Gefühl einer eigenen Meinungsfreiheit erspürt; noch nie zuvor habe ich meine Meinung auf eine solch vielfältige und persönlich ausgewählte Informationsbasis bauen können, welche frei von der Macht der deutschen Massenmedien ist.


 

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